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  • Emily

Ein Jahr wie ein Jahrzehnt

Mir geht es oft so, dass ich so mit dem Tagesgeschehen und meinen Plänen beschäftigt bin, dass ich ganz vergesse zu würdigen, was ich alles geschafft habe.


Vor einem Jahr hat die Pandemie begonnen unser Leben auf den Kopf zu stellen. Und in den letzten zwölf Monaten ist so viel passiert, obwohl gleichzeitig alles still stand. Und dieses eine Jahr fühlte sich gleichzeitig wie ein Jahrzehnt und wie ein Tag an. Die Zeit ist verflogen und schien doch nicht zu vergehen.

Es war ein hartes Jahr, ja. Ein Jahr, voller Sorgen. Sorgen um Menschen die uns nahe stehen, um die eigene Existenzgrundlage, und darum, wie es weitergeht.

Für mich war es auch ein verdammt schweres Jahr. Aber es hatte eben auch seine guten Seiten, weil ich durch die schwierige Situation einige Dinge geschafft habe, vor denen ich mich sonst weiter gescheut hätte – und dafür bin ich unglaublich dankbar.

Schwarz weiß Foto zeigt eine Frau im Halbdunkeln, die an einer Zigarette zieht.
Ein Bild aus dem Archiv... (2019)

Zum Einen habe ich es endlich geschafft mit dem Rauchen aufzuhören. Nach gut 8 Jahren, in denen ich fast jeden Tag geraucht habe, bin ich nun seit 6 Monaten rauchfrei. Das es erst eine global grassierende Lungenerkrankung gebraucht hat, um mich dazu zu bewegen, ignorieren wir einfach mal... Gute Nachrichten also für alle Nichtraucher. Aber keine Sorge, auch wenn du Raucher bist, treffe ich dich weiterhin gerne - tatsächlich fand ich Zigarettengeruch schon immer ein bisschen sexy. Und mittlerweile habe ich die Sucht gut genug bezwungen, um selber nicht mehr in Versuchung zu geraten. Dafür gibt es noch genug andere Laster, denen ich dafür allzu gerne nachgebe...

Zum Anderen bin ich unglaublich stolz darauf, dass ich die Zeit allein zu Hause genutzt habe, um viel neues zu Lernen und mich neuen Projekten zu widmen. Einerseits, dass ich es geschafft habe, in Eigenregie meine erste eigene Webseite zu bauen. Sie ist zwar alles andere als perfekt, aber sie ist ganz meins und doch ein guter Anfang. Und andererseits habe ich nicht nur im Webdesign einiges gelernt, sondern auch in verschiedenen Videoproduktionen – sowohl vor, als auch hinter der Kamera und in der Postproduktion. Wenn die Pandemie nicht gewesen wäre, wäre ich wohl nicht darauf gekommen, dass mir auch das Drehen von erotischen Filmchen so viel Vergnügen bereiten würde. Die Qualität hat dabei im Laufe des Jahres deutlich zugenommen und auch die Experimentierfreude. Ich bin auch sehr froh, dass ich mich selbst dabei nicht zu ernst nehme – sonst wäre ich wohl nie auf den Gedanken gekommen, meine Videos mit P. I. Tschaikowskys „Tanz der Zuckerfee“ oder G.F. Händels „How beautiful are the feet“ zu unterlegen.



Nicht zuletzt habe ich mich im privaten Umfeld – mehr oder weniger freiwillig – als Sexarbeiterin geoutet und bin glücklich mit dieser Entscheidung. Die Sorge im Vorfeld war groß, aber zum überwiegenden Teil unbegründet – denn wenn einen die Menschen die einem nahe sind wirklich lieben, dann akzeptieren sie die eigenen Entscheidungen und unterstützen dabei, anstatt zu verurteilen. Ich kann gar nicht sagen wie dankbar ich über mein persönliches Umfeld bin und ich bin stolz darauf mit meinem Outing meinen Teil zur Bekämpfung des Stigmas rund um die Sexarbeit beizutragen.


Und es ist noch so viel mehr im letzten Jahr passiert, was alles gar nicht mehr in diesem Text Platz findet. Krisen die aufgekommen und überwunden wurden. Tolle Menschen, die ich unter Pandemiebedingungen entweder mit Maske oder per Webcam kennengelernt habe und hoffentlich irgendwann einmal ohne Maske oder Bildschirm dazwischen wiedersehen kann. Und einige persönliche Erkenntnisse, die ich für mich behalte.

Ich bin froh, dass ich die Hoffnung nicht habe fahren lassen. Und, dass mir das Fernweh sowie die Sehnsucht nach wilden Nächten und fleischlichen Genüssen genug Energie geben, um noch ein wenig länger die Einschränkungen durchzuhalten. Vorfreude ist schließlich die schönste Freude...

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