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  • Emily

Die virtuelle Girlfriend-Experience – Romantik im Jahr 2021?

Vor Corona war ich recht spezialisiert darauf, die „Girlfriend Experience“ (GFE)* anzubieten, weil es mir besonders liegt. Wenn man gemeinsam ausgeht, sich langsam näher kommt, und das Gefühl hat, auf einem „normalen“ Date zu sein. Wenn man sich erst einige Stunden langsam herangetastet hat, ist die erotische Spannung, die sich aufbaut, einfach viel aufregender ist als jeder schnelle Sex.


Selbstverständlich, und sehr zu meinem persönlichen Bedauern, ist es nun fast ein Jahr her, dass ich das in der Form anbieten konnte. Insbesondere als alleinlebende Frau fehlt mir der Kontakt zu meinen liebsten Kunden wirklich sehr. Und andersherum ist es, laut der Rückmeldung die ich bekomme, genauso. Oft höre ich den Wunsch, zwischendurch einfach mit mir zu schreiben, an meinem Alltag teilzuhaben zu können und zu sehen, wie ich die Zeit verbringe.

Es tut mir dann ehrlich Leid, wenn ich zugeben muss, dass mich diese Art der Beziehung leider persönlich gar nicht reizt. Auch wenn ich privat in einer festen Beziehung war, habe ich nie Wert auf regelmäßigen Kontakt über soziale Medien gelegt. Manch einer war schockiert, dass ich nicht jeden Tag mit meinem Freund schreiben muss, wenn wir uns nicht sehen. Ich warte dann lieber darauf, dass wir uns wieder real treffen und genieße die Vorfreude. Oder verabrede mich zum Telefonieren.

Denn wenn ich an meinen persönlichen Projekten arbeite, finde ich es äußerst ermüdend zwischendurch zu schreiben, da es mich permanent ablenkt und ich gar nichts schaffe. Und ich bin dann auch nicht ganz bei meinem Gegenüber. Viel lieber habe ich es, wenn ich mich ganz auf den Anderen konzentrieren kann, in Echtzeit. Lieber 30 Minuten am Abend telefonieren, wenn ich mich abends mit einem Tee in meinem Sessel eingekuschelt habe, als über den Tag verteilt 30 Nachrichten auszutauschen. Das bereichert mein Leben, anstatt mich zu erschöpfen.

Außerdem finde ich ein Kennenlernen viel spannender, wenn es von beiden Seiten kommt. Ich möchte auch etwas über meinen Gegenüber erfahren, anstatt einfach nur von meiner Seite aus mit Inhalten zu fluten. Und dafür eignet sich ein gemeinsamer Spaziergang um die Alster einfach viel besser, als ein Gruppenchat bei Whatsapp und Co.


Es mag etwas altbacken sein. Und insbesondere in meinem Alter ist so eine Aversion gegenüber sozialen Medien wohl eher die Ausnahme und teilweise etwas unvorteilhaft. Aber zu deinem Vorteil: Denn ich mag zwar eher nicht für spontane, zwanglose Chats erreichbar sein - dafür kannst du dir aber sicher sein, dass ich bei unserem richtigen Date, sobald es denn möglich ist, nicht dauernd nach meinem Handy greifen muss und du meine ungeteilte Aufmerksamkeit hast.

Wenn ich mir eine Sache zum Valentinstag wünschen darf, dann, dass es nicht mehr allzu lange dauert, bis wir uns wieder in die Augen schauen können – ohne Kamera und Display dazwischen.



*Entgegen der Meinung von manch einem, hat meines Erachtens nach die GFE nichts mit dem Verzicht auf Safer Sex zu tun!

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