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Das Märchen von der schönen Melusine

Aktualisiert: Feb 12

Es war einmal ein junger Adeliger und sein Name war Raimund. Wenngleich er von edlem Geschlecht war, so war er doch mittellos und musste hoffen, durch eine vorteilhafte Vermählung zu dem Reichtum zu gelangen, der seinem Stande entspräche.


Eines Tages begab es sich, dass er auf der Jagd seine Kumpanen im Wald verlor und allein durch den Forst irrte. Schließlich kam er an eine Lichtung, an der der sogenannte Durstbrunnen stand. Um den Brunnen herum standen drei Jungfrauen, eine schöner als die andere. Zuerst wollte er an ihnen vorrüberreiten, doch die Jüngste der drei, Melusine genannt, gebot ihm mit ihren Worten Einhalt und verwickelte ihn in ein Gespräch.


Sie versprach ihm im Laufe dessen großen Reichtum, Ruhm und Ehre, sowie alles Glück, dass sich jemand wünschen kann – wenn er sie nur zu seiner Frau nähme. Ihre Bedingung sei allerdings, dass er verspricht, sie an einem Tag in der Woche nicht zu stören: An jedem Samstag wolle sie absolut allein sein, und weder mit ihm sprechen, noch von ihm oder jemand anderem angesehen werden. Sie wolle vollständig in Ruhe gelassen werden, an diesem einen Tag der Woche. Sollte er sein Versprechen brechen, so käme großes Unglück über ihn und seine Nachkommen.


Der Gedanke an all den Reichtum und den Ruhm ließ die Zweifel des Raimund schnell verfliegen und er willigte ein. Nach kurzer Zeit wurde eine Hochzeit vorbereitet und Melusine tat alles in ihrer Macht stehende, um daraus das großartigste Fest zu machen, dass jemals in diesen Landen gefeiert wurde. Alle beglückwünschten den Bräutigam zu seiner guten Partie, auch wenn so mancher Zweifel an der Herkunft der holden Dame laut werden ließ, die wie aus dem Nichts erschienen und reich an Schätzen und Gefolge war. Der Bräutigam wollte davon nichts hören und so wurde die Ehe vollzogen.


Im Laufe der Zeit gebar die Schöne Melusine dem Raimund viele Nachkommen und ihr Reich wuchs und wuchs, ebenso wie ihre Schätze und ihr Ansehen. Am Durstbrunnen, wo ihre erste Begegnung stattfand, wuchs mit der Zeit eine Stadt empor, die in der Umgebung ihresgleichen suchte – und im Zentrum dieser baute das Paar ein prächtiges Schloss.


Die Jahre vergingen und ihre Kinder wuchsen nun selbst zu jungen Adeligen heran, die durch ihre Heldentaten und ihr Geschick weithin bekannt wurden. Allerdings kam es eines Tages so, dass Raimunds Onkel, der Graf vom Forst, unter unglücklichen Umständen verstarb und als Raimund diese Nachricht erreichte, wurde er in tiefe Betrübnis gestürzt. Der Überbringer der Nachricht, ein naher Verwandter, verlangte auch die Gemahlin über das Unglück in Kenntnis zu setzen. Doch da es ein Samstag war, musste Raimund diese Bitte ablehnen, was den Unmut des Boten zur Folge hatte – welcher nun ein weiteres Mal die Zweifel an Raimunds Geliebter lautwerden ließ, die auch in der restlichen Verwandschaft die Runde machten. Aufgewühlt von der schlechten Nachricht, sowie der Unverfrorenheit des Verwandten, wurde er wieder einmal von der Neugierde gepackt und konnte sich nicht länger dagegen wehren.


Er packte in seiner Wut sein Schwert und begab sich zum Geheimgemach seiner Melusine. Es war von einer schweren, eisenbeschlagenen Tür verschlossen und auf sein Klopfen und Hämmern folgte keine Antwort – auch vollbrachte er es nicht, die Tür aufzustemmen. Allerdings konnte er mit der Spitze seines Schwertes ein kleines Loch in das Holz der Tür bohren, durch das er hindurchspähte. Was er dort erblickte, ließ ihm den Schrecken durch Mark und Bein fahren: Seine geliebte Melusine, die trotz der vergangenen Jahre immernoch in ihrer Schönheit erstrahlte, war ganz verwandelt. Ihr Unterleib war nicht länger der eines Menschen, sondern in Form einer Schlange und sie hatte grausige Flügel auf dem Rücken, wie die einer Fledermaus. Sie wand sich in einem Becken voll Wasser und glich so einem Wassergeist, einem Seeungeheuer.


Erschrocken taumelte Raimund zurück. Er glaubte, dass sie ihn nicht gesehen habe und er besann sich seines vor Jahren gegebenen Versprechens. Er schwor sich, sie nicht auf das Gesehene anzusprechen und begegnete ihr am nächsten Tag, als sie wieder in ihrer gewöhnlichen Gestalt war, ganz unschuldig.



Doch er hatte das Unglück bereits heraufbeschworen. Eine Weile nach diesem verhängnisvollen Tag, begab es sich so, dass Melusine und er in Streit gerieten und Raimund sagte ein böses Wort, aus dem seine Kenntnis von ihrem Geheimnis deutlich wurde. Da veränderte sie sich ganz und gar und sprach davon, dass sie damals gemerkt habe, dass er sie beobachtet hatte, doch aus Liebe habe sie das Nachsehen gehabt – solange er so getan hat, als sei nichts geschehen. Doch nun half auch ihre Liebe nicht mehr und sie wiederholte, was er damals versprochen hatte – und sprach, dass er allein für das folgende Unglück verantwortlich sei. Sie verwandelte sich darauf in ihre wahre Gestalt und entschwand aus dem Fenster des Schlosses in die Nacht.



Damit war es mit Raimunds Glück vorbei und eine schlechte Nachricht jagte die Nächste.Von seinen zahlreichen Nachkommen verloren viele ihre Ländereien, ihren Einfluss oder gar ihr Leben – all das Glück, dass ihnen in den Jahren zuvor so hold war, wandte sich nun wie zum Hohn von ihnen ab und eine Tragödie folgte der anderen. Raimund selbst verfiel der Schwermut und die Traurigkeit über den Verlust seiner Melusine nahm nun den größten Platz in seinem Leben ein. Hätte er doch bloß an diesem einen Tag einen starken Willen bewiesen, und sich an sein Gelübde gehalten. Hätte er die Melusine nicht an ihrem einen Tag gestört, ihre eine Regel verletzt, so wäre sie noch heute bei ihm – nun war sie ihm auf ewig verloren.


Krankheit überfiel ihn und seine Wege führten ihn in die Ferne ins Kloster, wo er ein einfaches, klägliches Leben führte und seiner Sünden sühnte, bevor er schließlich einsam und verlassen in der Fremde verstarb.


Diese Geschichte habe ich frei nach Gustav Schwabs "Märchen Von Der Schönen Melusine" nacherzählt – die unzähligen Heldentaten seiner Nachkommen habe ich ausgespart, da sie mich selbst beim Lesen allzu sehr an Geschichten biblischen Ausmaßes erinnerten und selbst die Geduld des geneigtesten Lesers etwas strapazieren. Auch den großen Plot-twist – ja, so etwas gab es auch schon vor ein paar Hundert Jahren und nicht erst seit Netflix - wollte ich nicht vorwegnehmen: wenn ihr also ein Faible für gewisse Sagen habt, führt euch diese alte Legende in dieser oder einer anderen Version zu Gemüte.


Nun mag der eine oder andere sich fragen: Die Geschichte ist ja ganz nett, aber was hat das denn bitte mit dir, Emily, oder der Sexarbeit zu tun?


Wie in jedem guten Märchen, gibt es auch hier eine Moral von der Geschicht – oder sogar mehrere:

1. Wenn du mit der Dame deiner Wahl eine Abmachung getroffen hast, solltest du dich tunlichst daran halten – wenn du nicht gerade den Zorn des Schicksals auf dich laden möchtest. Nicht abgesagte Termine und verschwendete Zeit sorgen für schlechtes Karma – und wie eine berühmte Musikerin es so schön sagte: "Karma has everyones address and a motherf****** stamp.


2. Respektiere die angegebenen Zeiten. Wenn ich zwischen 10.00 und 22.00 erreichbar bin, verzichte darauf mich um 3 Uhr nachts anzurufen. Und wenn ich meinen freien Tag habe oder dir mitteile, dass ich im Urlaub bin – dann warte ab, bis ich wieder da bin.


3. So manche Dame hat ihr kleines oder großes Geheimnis, was man ihr nicht unbedingt auf den ersten Blick ansieht – und auch in der Welt außerhalb der Märchen verbirgt sich so manches Mal ein Schwänzchen dort, wo man keines erwarten würde...

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